Das Lied der bunten Vögel

Eine Weihnachtsgeschichte aus Ghana
SAM_1477
Es waren einmal fünf Vögel. Das Federkleid des ersten Vogels war weiß wie Schnee. Das des zweiten Vogels war blau wie das Meer. Die Federn des dritten Vogels waren rot wie Blut. Das Federkleid des vierten Vogels war gelb wie die Sonne. Die Federn des fünften Vogels waren grün wie saftiges Gras. Die fünf Vögel lebten gemeinsam tief im afrikanischen Urwald. Ein jeder gab eine andere Folge von Tönen von sich. Der weiße Vogel zwitscherte. Der blaue Vogel flötete. Der rote Vogel pfiff. Der gelbe Vogel trällerte und der grüne Vogel zirpte. Das Durcheinander ihrer Töne klang wie ein Orchester, das seine Instrumente vor einem Konzert einstimmen muss.

Eines Tages schlich ein Leopard durch das Unterholz. Vor lauter Aufregung sangen die fünf Vögel gleichzeitig, um die anderen Urwaldbewohner vor der Gefahr zu warnen. Plötzlich wurde daraus eine wunderschöne Melodie. „Aus unserer Verschiedenheit ist es etwas Großartiges entstanden“, stellten die fünf Vögel erstaunt fest und sangen von nun an nur noch gemeinsam.

„Wir sollten andere an unserem Lied teilhaben lassen. Die Menschen lieben Musik und bunte Farben. Es macht sie froh und glücklich.“ Als die Sonne am höchsten stand, flogen sie daher zu einer Lichtung, auf der ein Bauer mit seiner Familie in einer kleinen Hütte wohnte. Sie sangen ihr wunderbares Lied und schwangen ihre bunten Flügel im Takt wie zum Tanz. Dieser herrliche Anblick und die zauberhafte Melodie erfreuten den Bauern so sehr, dass er den Vögeln zum Dank Körner auf den Boden streute. Das Futter war so reichlich, dass sich die Vögel kein Körnchen mehr selbst suchen mussten. Ab da flogen sie jeden Tag zu der Lichtung, trugen ihr Lied vor und wurden dafür belohnt. Bunte Vögel

Das brachte den weißen Vogel eines Tages auf eine Idee: Wenn er allein zum Bauern flöge, müsste er das schöne Futter nicht mit den anderen teilen. Und stellt euch vor, den gleichen Gedanken hatten auch die anderen vier Vögel. So flog jeder von ihnen zu einer anderen Zeit auf die Lichtung. Doch anstatt schmackhafter Körner erntete jeder den Hohn und Spott des Bauern. „Dieses Gekrächze soll ein Lied ein? Da lachen ja meine Hühner!“, stieß er verächtlich hervor, als der weiße Vogel allein sein Glück versuchte. Dem blauen Vogel warf er gar einen Stein hinterher. Den anderen drei Vögeln erging es nicht viel besser: „Meine Säge klingt melodischer als dein Gekreische!“, raunzte der Bauer den gelben Vogel an. „Dein Zirpen ist eine Beleidigung für meine Ohren! Mach, dass du fortkommst!“, bekam der grüne Vogel zu hören. Dem roten Vogel rief er wütend zu: „Dieses rote Geflatter vor meiner Nase macht mich nervös! Verschwinde und lass dich hier nicht mehr sehen!“

Am Abend trafen sich die fünf Vögel im Urwald wieder. Mit hängenden Flügeln und hungrigen Bäuchen mussten sie einander ihre Gier eingestehen. „Wir sollten morgen wieder gemeinsam zur Lichtung fliegen“, schlug der weiße Vogel vor. Die anderen nickten zustimmend, „Vielleicht können wir den Bauern milde stimmen.“
Am nächsten Tag flogen die Vögel zur gewohnten Stunde zur Hütte des Bauern. Kaum dort angekommen sangen und tanzten sie so wundervoll wie nie zuvor. Als der Bauer die ersten Töne hörte, kam er voller Freude aus seiner Hütte und rief: „Meine lieben Vögel, schön, dass ihr wieder da seid! Ein jeder von euch kennt einen Ton und hat eine Farbe. Aber nur wenn ihr gemeinsam singt und tanzt, wird mein Herz davon berührt.“ Als Dank streute er den Vögeln wieder Körner hin, an denen sie sich nach Herzenslust satt fressen konnten.


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