Liebeskummer Tipps – Ein Selbstversuch

Seit knapp einer Woche bin ich nun wieder single. Ich hab in dieser Woche schon so einige Tipps durch, die ich größtenteils im Internet gefunden habe. Mir wurde unter anderem geraten zu Jesus zu finden – dass ich bei meinem Ex mit einem Schlagbohrer auftauchen könnte habe ich leider nirgends gelesen.


Mein erster Schritt – Mama anrufen! – war wohl eher ungewöhnlich. Das Internet lehrte mich, dass viele Verlassene erstmal dazu neigen, die Trennung unter Verschluss zu halten. Das führe wohl zu unnötiger Hoffnung – die ich trotzdem hab! Jedenfalls habe ich sofort meine besten Freundinnen informiert und mich erstmal auffangen lassen. Mama hat gesagt, was sie als Mama sagen muss: Du bist wunderbar, lass dich nicht runterziehen, andere Mamas haben auch schöne Söhne. So weit so gut. Trotzdem hab ich noch geheult wie ein Schlosshund.

Tag 1. DIE HAARE MÜSSEN FALLEN! Er fand lange Haare immer wunderschön – logische Konsequenz: die müssen weg. Das Internet findet diesen Schritt gut, sagt aber, dass der erst viel später kommen sollte. Das merke ich dann auch, als ich feststelle, dass er mich nicht mehr wunderschön finden wird, wenn er zurück kommt.

Tag 2. Wieder mit Mama telefoniert, die das gleiche gesagt hat. Alle Sachen, die mich an ihn erinnern mit großen Bedauern und unter schlimmster Heulerei nochmal durchgelesen oder angeschaut. Danach alle Sachen, die mich an ihn erinnern mit großen Bedauern und unter schlimmster Heulerei aus meinem Zimmer verbannt. Das Internet sagt, dieser Schritt sei sehr wichtig. Nun gut, hab ich mal was richtig gemacht, was sich ganz gut anfühlt, weil ich zwischen Ich-bin-Schuld-an-der-Trennung und Es-ist-allein-seine-Schuld schwanke.

Tag 3. Ich stelle fest, dass ich wirklich die besten Freunde der Welt habe, die mich immer auffangen und mich trösten und noch nicht die Schnauze voll haben. Und das obwohl man ständig mit einer Heulattacke meinerseits rechnen muss! Obwohl ich viele Komplimente für meine neue Frisur bekomme, fühle ich mich nicht besser. Er fehlt mir so! Das Internet sagt ich soll mal Jesus befragen…

Die nächsten Tage laufen ähnlich ab. Entweder ich kann nicht heulen oder ich heule und kann nicht mehr aufhören. Das führt stellenweise dazu, dass ich mein Bett mit einem Kissen verprügle. Irgendwann dazwischen habe ich meine gewohnte Umgebung verlassen und bin in die Heimat zu meiner Mama gefahren… wo mich trotzdem alles an ihn erinnert. Weil das Internet rät, man solle sich möglichst nicht bei ihm melden, habe ich seine Nummer gelöscht. Dass man soweit gehen soll habe ich aber nicht gelesen. Als ich kurz darauf gemerkt habe, dass ihn ja jetzt gar nicht mehr erreichen kann: Heulkrampf. Zum Glück war die Nummer noch in der Anrufliste, also hab ich sie einer Freundin mit den Worten ‚Prüf meine Gründe, wenn ich dich jemals danach fragen sollte!‘ gegeben und danach endgültig seine ganze Existenz aus meinem Handy gelöscht. Wenigstens fühle ich mich nicht hässlich oder sowas, das Internet sagt nämlich das sei normal und man solle sich doch ruhig erstmal einige Wochen gehen lassen. Pfffff…. ich heul ja so schon genug, das muss ich nicht auch noch haben nur weil ich in den Spiegel geguckt hab!

Am 6. Tag befrage ich dann doch mal Jesus, weil mich meine Heulerei selbst nervt. Zum Glück habe ich sechs geduldige Freundinnen, so dass ich jeden Tag eine andere anrufen kann! Jedenfalls saß ich auf dem Balkon in der Sonne und bat Gott um ein Zeichen, falls ER mich noch liebt. Ob Gott jetzt tatsächlich bewirkt hat, dass ein Auto hupt… naja… erfüllt von Hoffnung hab ich mich weiter aus dem Fenster gelehnt: Lieber Gott, bitte gib mir ein Zeichen falls er sich noch melden wird. Gott lässt einen ordentlichen Windstoß vorbeirauschen… Als mir klar wird, dass das absoluter Quatsch ist breche ich in Tränen aus. Er wird sich nicht melden, er wird sich nicht melden – das ist jetzt 6 Tage her, er wird sich nicht melden! Obwohl ich mir das immer wieder einrede siegt die Hoffnung.

Inzwischen habe ich eine Woche gelitten, bin genervt von mir selbst, weil ich permanent damit rechnen muss in Tränen auszubrechen und weil ich immernoch diese Hoffnung habe. Ich hab versucht eine nach der anderen zu rauchen bis mir die Lunge weh tut. Ich hab versucht ein Bad zu nehmen. Und dabei eine Flasche Rotwein zu trinken. Ich hab versucht für die Uni zu lernen. Ich hab traurige Musik gehört und versucht mich auszuheulen. Die Tränen müssen doch irgendwann mal leer sein. Ich hab versucht Briefe zu schreiben. Ich hab versucht das alles auf einmal zu machen. Ich hab versucht zu Essen und ich hab versucht nichts zu essen. Ich hab versucht mich abzulenken und ich hab versucht bewusst an ihn zu denken. Ich hab auch versucht gut zu mir zu sein.

Aber eins kann ich euch sagen: Es hat alles einfach gar nichts gebracht. Ich bin trotz kurzen Haaren, 2 Flaschen Rotwein, einem kurzfristig gebuchten Urlaub und 2 Kilo weniger auf den Hüften immernoch traurig. Inzwischen bin ich der Überzeugung, dass ich da jetzt durch muss. Aber vielleicht probier ich auch noch einen letzten Rat:

Trübsal ist nicht alles, was man blasen kann.


Ein Gedanke zu “Liebeskummer Tipps – Ein Selbstversuch

  1. Das Traurig-sein wird noch bleiben. Irgendwann wird es vielleicht anfangen zu schlummern und nur noch ab und an aufblitzen. Ich glaube es gibt keine Abkürzung, durch das Nachtrauern muss man irgendwie durch. Und wie, das ist bei jedem anders. Was schön ist: das Du ein „Freunde-und-Mama“-Sicherheitsnetz hast, auf das Du Dich verlassen kannst. Das nimmt Dir nicht die Traurigkeit. Aber es gibt Dir vielleicht zusätzlich ein positives Gefühl des „Ich-kann-mich-auf-wen-verlassen!“.

    Wer sagt denn, dass wir nicht viele Gefühle gleichzeitig haben können ;).
    Ich bin durch absoluten Zufall in diesen Post gelandet (google, lasche für knopf nähen, Dein DIY-Earphone-Bag, neugierig geworden, gestöbert, da will ich drauf antworten).

    Von einer Dir ganz unbekannten Person liebe Grüße!
    Kati | http://www.pinsandneedles.de/category/the-yearn-blog
    (Strickdesignerin, Schreiberling und Ab-und-zu-Näherin)

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