Die Meister-Sammlerin Karoline Luise von Baden gewährt Einblicke in ihr Cabinet

Wir durften vorab einen Blick in die große Landesausstellung „Die Meister-Sammlerin Karoline Luise von Baden“ werfen, die seit Samstag eröffnet ist und über den Festivalsommer KA300 hinweg bis zum 9. September besucht werden kann.

Der Ausstellung in der Kunsthalle liegt ein interdisziplinäres Forschungsprojekt von Museum, Universität und Archiv zugrunde, dessen Ergebnisse jetzt präsentiert werden. Dabei ist es klar, dass Historiker auf die kunsthistorische Sicht trafen und so ganz neue Verbindungen gesponnen werden konnten zwischen Archivalien und der Museumsarbeit. Eine 154 Bände umfassende Korrespondenz der Fürstin gibt wichtigen Aufschluss über Sammelpraxis, Politik und die persönlichen Vorlieben der Sammlerin. Durch die Archivalien wird auch die politische Position von Karoline Luise klar: Hier haben wir es mit einer aufgeklärten Persönlichkeit zu tun, die mit persönlichem Interesse und über 700 Korrespondenzpartnern ihre eigene Sammlung vorantrieb. Dabei beginnt sie 1759, ihr Programm für ihr Cabinet zu entwickeln und es umzusetzen. Sie kauft nie ganze Sammlungen auf, sondern jedes Werk individuell, dabei stets nach Perfektion bestrebt, bis ihre Sammlung mit circa 200 Bildern komplett ist. Die Sammlung diente nicht der Repräsentation, sondern war tatsächlich für eigene Studienzwecke gedacht. Dabei hatte sie immer die Frage danach, was große Kunst oder eine große Sammlung ausmacht, im Hinterkopf.

Die Ausstellung macht jetzt deutlich, welche wegweisende Grundlage Karoline Luises Cabinet für die weitere Sammlung darstellt: Auch heute noch liegt ein Schwerpunkt der Sammlung bei den Niederländern und Franzosen, deren guter Ruf hochkarätige Institutionen wie das Louvre in Paris als Leihgeber gewinnen konnte, um ehemalige Werke des Cabinets nach Karlsruhe zurückzuführen. Dabei gibt sich die Kunsthalle große Mühe, die Ergebnisse des Forschungsprojekt anschaulich zu vermitteln: neben einem vielfältigem Begleitprogramm, einem Filmprojekt mit der Hochschule in Ludwigsburg und Audioguides für Groß und Klein sind die verschiedenen Räume der Ausstellung unterschiedlichen Aspekten von Karoline Luises Sammelleidenschaften zugeteilt: Da findet man zum einen ihren Pastell-Lehrmeister Liotard, der ihr alle Fragen zu Technik und Porträt beantwortete, um ihre eigene Tätigkeit als Laienmalerin voranzutreiben. Dieser Leidenschaft ist ebenso ein Raum in der Ausstellung vorbehalten. Dazu gibt es einen Saal, der in barocker Hängung der Mode zu Karoline Luises Zeit nachempfunden ist und den Besuchern ein direktes Gefühl vermittelt, wie es in ihrem Cabinet ausgesehen haben könnte. Zum Ende des Ausstellungsrundgangs wird schließlich noch auf die zahlreichen weiteren Interessen von Karoline Luise verwiesen, wie Geologie oder Biologie.

Die Forschung zur Korrespondenz gab also den Blick frei auf die Geschichte des Cabinets, auf dem die Sammlung der Kunsthalle heute beruht. In der Ausstellung wird der Blick vom traditionellen Sammeln auf die heutige kuratorische Praxis eröffnet, nicht zu letzt um zu untersuchen, wie und wo die Stücke des Cabinets heute in die Sammlung eingebettet sind.

Extratipp: Erstmalig öffnet die Kunsthalle jeden zweiten Sonntag im Monat ihre Tore für die ganze Familie kostenlos! Nächster Termin ist der 14. Juni.

Parallel zur Ausstellung in der Kunsthalle gibt es außerdem zwei weitere Schauen, beide mit freiem Eintritt, rund um Karoline-Luise: Einmal die in der Jungen Kunsthalle „11 x Karoline Luise“, und im Generallandesarchiv „En Voyage. Die Europareisen der Karoline Luise von Baden“.

Titelbild:
Jean-Étienne Liotard
Prinzessin Karoline Luise von Hessen-Darmstadt, 1745
© Staatliche Kunsthalle Karlsruhe


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