John Baldessari „The Städel Paintings“

Kunstwerk, Galerie, Geld. Dies scheinen die zentralen Punkte in den „Städel Paintings“ von John Baldessari (*1931, National City, Kalifornien) zu sein. Begriffe mit welchen man sofort eine ironische Kritik an den Kunstmarkt assoziiert. Die Serie besteht aus insgesamt 16 Diptychen. Auf der einen Leinwand ist ein kurzer Text abgedruckt, welche Baldessari in Drehbüchern gefunden und unverändert übernommen haben soll. Dies sei mal so dahin gestellt. Beim Lesen spielt sich bei dem Betrachter ein geistiger Film ab. Die Vorstellung, welche sich bildet, variiert von Betrachter zum Betrachter. Allerdings steht dem Text ein Gemälde gegenüber. Dieses Gemälde bezieht sich wiederum auf den Text. Die Abbildungen zeigen übermalte Details als Reproduktionen von Reproduktion eines Werkes der Sammlung des Städels. Mit dem Original hat das nicht mehr viel zu tun. Doch Baldessari gelingt es durch seine Übermalung die Illusion des Bildes zu verflüchtigen und dem Tintenstrahldruck einen Kunstanspruch zu verleihen. Parallelen zu Pop Art sind hier nicht zu übersehen.

st_presse_baldessari_movie_scripts_art_hang_in_there_2014
John Baldessari (*1931)
Movie Scripts / Art: Hang in there, 2014
Diptychon; gefirnisster Tintenstrahldruck mit Acrylfarbe auf Leinwand, 273,7 x 169,6 cm
Kadist Art Foundation
Foto: John Baldessari studio
© John Baldessari studio

Zwischen den einzelnen Leinwänden, die uns hier als Diptychen gezeigt werden, also als ein zusammenhängendes Werk, bildet sich ein Dialog zwischen diesen zwei dargestellten Medien. Aber eigentlich geht Baldessari noch viel weiter. Er bezieht nicht nur Gemälde und Text, Sehen und Lesen in den Dialog mit ein sondern auch das Medium Fotografie, Film, Druck, Malerei sowie Imagination und Realität.
Mehr Wirkung hätte die Serie gehabt, wenn sie, wie es sich der Künstler auch gewünscht hatte, neben den zitierten Werken hinge. Leider wurde dies nur für zwei Werke realisiert. Diese wurden in die Sammlung der „Alten Meister“ integriert und befinden sich im selben Raum wie ihre Zitierquelle. Alle weiteren Werke hängen im separaten Ausstellungsraum des Städels.

„Let’s take the money and go back to the gallery.“

Der Konzeptkünstler John Baldessari kritisiert die aktuelle Stellung der Kunst und deren absurd hohen Warenwert. Die „Städel Paintings“ sind für den 200. Geburtstag des Städel Museums entstanden und sind noch bis zum 24. Januar 2016 dort vereint zu sehen. Danach werden die einzelnen Werke der Serie ihren Käufern und der Galerie zurückgebracht. Ob sie je wieder so zu sehen sein werden bleibt offen. Doch trotz der Kritik am Kunstmarkt, kann sich Baldessari diesem nicht entfernen. Er ist Teil des Kanons. Vielleicht tröstet er sich damit, dass es Marcel Duchamp nicht anders erging.

st_presse_baldessari_movie_scripts_art_fly_crawling_on_it_2014
John Baldessari (*1931)
Movie Scripts / Art: …With a fly crawling on it, 2014
Diptychon; gefirnisster Tintenstrahldruck mit Acrylfarbe auf Leinwand, 174,3 x 273,4 cm
Collection of Mr. and Mrs. Rob Randall
Foto: John Baldessari studio
© John Baldessari studio

Mehr über die Ausstellung gibt es auch im Städelblog von Jana Baumann zu lesen.

Beitragsbild: Ausstellungsansicht "John Baldessari. The Städel Paintings"Foto: Städel Museum

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s