WG-Suche für Profis

photo_2016-03-16_22-14-05Das Sommersemester ist knapp einen Monat entfernt. Die Zulassungsbescheide der Unis und Hochschulen trudeln ein und man kann sich so langsam aber sicher mit dem Gedanken anfreunden, dass es an der Zeit ist, umzuziehen. Auch für mich geht es in eine neue Unistadt – ich wage mich aus dem beschaulichen Baden heraus und erkunde die nächsten 2 Jahre Nordrhein-Westfalen. Ich hatte schon verdrängt, wie nervenaufreibend WG-Suche sein kann und habe jetzt durch eigene Erfahrungen ein paar Tipps zusammengetragen, wie es auch für dich mit der neuen Traum-WG was wird.

Schritt 1: Angebote abchecken

wg-gesucht.de wird am liebsten benutzt, hier findest du also die größte Auswahl. Nicht wundern: bei der WG-Suche ist Spontanität gefragt, die meisten Anzeigen werden von deinen zukünftigen MitbewohnerInnen maximal 4-6 Wochen vor Mietbeginn geschaltet. Da so auch die Zeiträume der Besichtigungen kürzer sind, ist auch dort viel Flexibilität gefragt, aber dazu später mehr. Bei wg-gesucht sind die Anzeigen chronologisch geordnet, die neuesten sind ganz oben. Erfahrungsgemäß kann man ab Seite 4 oder 5 getrost aufhören, die Leute anzuschreiben. Je länger die Anzeige schon drin ist, umso kleiner ist die Wahrscheinlichkeit, dass deine zukünftigen MitbewohnerInnen noch Bock haben, dir zu antworten. Also lieber mehrmals täglich checken und die Anfragen fresh und clean raushauen.
Dazu ist es immer ganz hilfreich, auf Facebook nach Gruppen für die WG-Suche zu schauen. Oft werden in den Gruppen auch nur die wg-gesucht-Anzeigen angeprießen, die du wahrscheinlich schon längst gesehen hast, aber zwischendurch findet sich doch auch das ein oder andere Perlchen, das dir ohne die Gruppe entgehen würde.

Schritt 2: Das Anschreiben

Bei WGs zu einem vernünftigen Preis und guter Lage trudeln vor Semesterbeginn gut und gerne über 50 Anfragen bei deinen zukünftigen MitbewohnerInnen ein. Davon werden maximal 10-20% zu einer Besichtigung und Kennenlernen eingeladen. Um dazuzugehören, muss also dein Anschreiben passen. Eigentlich sind hier deiner Kreativität keine Grenzen gesetzt, sei du selbst und überzeug damit. Spar die die Phrasen, dass du gerne mal n Bierchen oder Weinchen oder Käffchen auf dem Balkönchen süffelst, das tun wir alle und hebt dich nicht hervor. Netflixen tun wir auch alle, also wenn du das als Haupthobby mit reinnehmen möchtest, schreib vielleicht gleich dazu, welche Serien du am liebsten suchtest.

Schritt 3: Besichtigung klarmachen

Nach dem Anschreiben musst du erstmal abwarten. Wenn sich WGs zurückmelden dann meistens, weil sie dich Kennenlernen wollen! Mit einer Einladung zur Besichtigung kommt man dem Zimmer schon ein gewaltiges Stück näher. Meistens wird der Termin von der WG vorgeschlagen. Je flexibler du darauf reagieren kannst, umso besser. Wenn deine Unistadt etwas weiter entfernt ist, würde ich abwarten, bis 2-3 Einladungen auf einen Tag fallen und dann schauen,wie man den Rest des Tages mit Besichtigungen füllen kann. Allermeistens haben WGs ab dem späten Nachmittag bis abends um ungefähr 21:30 Zeit für Bewerber.

Schritt 4: Das Kennenlernen

Der Termin ist fix, der große Tag ist gekommen, sei pünktlich! Oft sind vor und nach dir noch andere dran, wenn du trödelst, bleibt weniger Zeit für dich. Schau dir deshalb vorher gut an, wo du hin musst und lass dir den Weg navigieren. Ganz oft merkt man schon in den ersten paar Minuten in der Wohnung, ob es was werden könnte oder nicht. Der erste feste Händedruck, ein Lächeln, ein Witz – sei offen, spontan und locker. Es geht hier jetzt nicht darum, alle Lebensgeschichten durchzukauen. Mit was verbringst du die meiste Zeit? Womit kennst du dich gut aus? Wo habt ihr vielleicht Gemeinsamkeiten? Statt starrem Frage-Antwort-Spiel läuft es perfekt, wenn ihr nicht lang nach Themen suchen müsst sondern wie auf einer Party einfach drauflosbrabbelt. Wahrscheinlich wirst du am Anfang als Bewerber als erstes ein bisschen ausgefragt – aber diesen Ball solltest du auf jeden Fall zurückspielen. Klar bist du derjenige, der sich vorstellt, aber du willst ja auch rausfinden, wer deine neuen ZimmernachbarInnen werden könnten oder wie das WG-Leben bisher funktioniert hat.

Schritt 5: Das Warten

Nach einer kuscheligen Stunde zusammen heißt es meistens, sich noch ein paar Tage im Anschluss zu gedulden. Ob hop oder top entscheidet sich meistens innerhalb einer Woche, wenn du überzeugt hast, melden sich deine MitbewohnerInnen vielleicht auch schon, wenn du kaum zur Tür raus bist. Reflektier auch für dich selbst, wie es dir gefallen hat und lass‘ kurz beiseite, dass du dringend ein Zimmer brauchst. Sollte dir dein Gefühl sagen, dass du dich dort wohl eher nicht einleben wirst, gib den anderen Bescheid und erspart euch das Rumgetänzel.

Schritt 6: Zu- oder Absage

Yeah, Zusage! Jetzt kannst du dich erstmal ein bisschen freuen. WG-Suche kann echt super hart und nervenaufreibend sein, es ist immer Glück im Spiel. Was es nach der Zusage alles zu beachten gibt, sprengt hier den Rahmen, wenn Interesse besteht, kann ich dazu auch noch einen Post schreiben.

Bei einer Absage: Shit. Nicht verzagen! Auch wenn dein Gefühl gut war und du gedanklich schon dein Billyregal in die neue Wohnung gestellt hast, hat es nicht geklappt. Zweifel deshalb nicht an dir oder an der Art, dich zu präsentieren. Manchmal sind einfach 3 Leute auf einmal gleich nett und die Entscheidung fällt ein bisschen willkürlich. Ich kenne keine WG-Suche-Horror-Story, die schlussendlich nicht doch gut ausgegangen wäre. Bleib positiv und du selbst, dann wirst du eines Tages ganz sicher in eine WG spazieren, die sich schon von Anfang an ein bisschen wie Zuhause anfühlt.

Bilder: Susanne Hafner


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