Brauche ich das wirklich?!

Immer und überall gibt es so viele schöne Dinge zu kaufen. Jedes Wochenende gibt es unzählige Flohmärkte und Kunsthandwerkermärkte zu besuchen und an jeder Ecke tauchen scheinbar mehr und mehr kleine Läden auf, so kommt es mir zumindest vor. Selbst wenn ich überhaupt nicht auf der Suche bin, begegnet mir fast täglich etwas, das auf einmal meine volle Aufmerksamkeit erhält und mein Kopf (vielleicht auch mein Bauch oder mein Herz, so genau weiß ich das nicht) mir dann sagt: „kauf das, du brauchst das!“

Dabei kann dieses „etwas“ alles Mögliche sein: eine schlichte Porzellanschale von Kulør, ein skurriles handgefertigtes Täschchen aus dem bunten mexikanischen Laden im El Raval (Barcelona), die Birkenstocksandalen die ich schon tausendmal in der Hand hatte – aber halt, da gibt es auch noch die katalanischen Espadrilles die Dalí getragen hat oder die schlichten mallorquinischen Sandalen, da fällt die Wahl gleich dreimal so schwer – das handbemalte Milchkännchen auf dem Straßenmarkt, die schöne weiße Bluse samt passendem Rock im Schaufenster von COS, … ihr seht, die Liste würde wohl kaum ein Ende nehmen. Und tatsächlich gibt es auch ganz banale und wirklich nützliche Dinge, die ich anschaffen könnte: einen neuen Toaster oder Staubsauger, den Mixer von dem ich schon lange träume.

Die ganze Sache hat zwei Haken: zum einen ist Kaufen immer mit der Ausgabe von Geld verbunden, das im Studentenalltag nicht unbedingt im Überfluss zur Verfügung steht. Zum anderen, und das beschäftigt mich gerade noch viel mehr, füllt man mit jedem Gegenstand den man kauft sein Zuhause.

Meiner Meinung nach sollte man gut überlegen, was man da hin mitnimmt. Denn erstens möchte ich, dass mein Zuhause schön luftig mit ausgewählter Deko ist und auf keinen Fall krustig und vollgestopft wirken soll. Und zweitens habe ich vorerst keine Absichten, mich niederzulassen. Ich genieße mein Nomadendasein: nachdem ich drei Jahre in Karlsruhe (in drei verschiedenen Wohnungen) gewohnt hab, bin ich nach Barcelona gezogen. Zum neuen Semester wird es nach Wien gehen, aber auch dort werde ich mit großer Sicherheit nicht für immer bleiben wollen. Ob innerhalb Deutschlands, Europas oder der ganzen Welt: ich habe den Eindruck, dass Flexibilität beim Wohnort heute ganz normal geworden ist. Nicht jeder möchte gebunden sein an ein schönes großes Haus mit grün vor der Tür – ich bin überzeugt, dass das auch etwas für sich hat – und nimmt damit in Kauf, seinen gesamten Besitz mit sich herum zu tragen.

Gerade in diesem Jahr in Barcelona – ich bin mit einem Koffer hergezogen und werde wohl mit zwei Koffern wieder gehen – habe ich mir oft überlegt, was ich wirklich brauche und ob mir dieses oder jenes Teil es wert ist, in der Zukunft transportlogistische Überlegungen anzustellen. Für mich habe ich daher entschieden, bei jedem Teil ganz genau zu überlegen, ob ich es wirklich brauche. Ich kaufe selten sofort; im Laden wird das Herzensstück erst einmal zurückgelegt, auf dem Designmarkt nehme ich ein Visitenkärtchen mit. Denn wenn man ehrlich ist, die Sachen laufen nicht davon. Und wenn doch ein anderer entschlossener war und das schöne Stück am nächsten Tag nicht mehr da ist, dann soll es wohl nicht gewesen sein. Außerdem kaufe ich, da ich weniger kaufe, qualitativ hochwertigere Dinge, die mir hoffentlich lange erhalten bleiben.

Das Fazit: Ich schätze die Sachen, die ich schon habe, mehr und habe nebenbei bemerkt keinen einzigen Fehlkauf zu verzeichnen. Und ich habe gelernt, dass man mit wenigen Dingen auskommt. Bezüglich meines Kleiderschranks habe ich vor meiner Anreise in Barcelona große Bedenken gehabt, wie ich mit nur einem Koffer auskommen soll. Kurz bevor es losging, habe ich einen Artikel gelesen, der beschrieben hat, wie man mit nur 30 Teilen im Kleiderschrank auskommen kann, die je nach Saison angepasst werden müssen. So strikt habe ich es nicht gehalten, jedoch habe ich mir gut überlegt, was ich mitnehme und habe den Besuch meiner Eltern genutzt, die Wintergarderobe gegen Sommerkleider einzutauschen. Der größte Teil meiner Modeschätze ist im Haus meiner Eltern geblieben und wird im Sommer definitiv ausgemistet. Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen, weiterhin bewusster einzukaufen und lieber die Dinge, die ich habe, neu aufzutragen. Und das Keramikschälchen kann ich mir auch zum Geburtstag wünschen; als Geschenk würde sich sein Wert für mich schließlich noch unendlich steigern.

P.S.: auf der Suche nach Fotos ist mir aufgefallen, dass ich ständig ins Schaufenster fotografiere. Alle Fotos sind in den letzten Monaten entstanden und zeigen Dinge, die ich gern gehabt hätte und letztendlich nicht gekauft habe. Schön sind sie, aber ich brauche sie gerade wirklich nicht.

Und: Ich investiere mehr in gutes Essen – für Hüftgold zahlt man im Flugzeug schließlich keinen Aufpreis.


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