Trau‘ dich alleine raus!

Es ist Wochenende, was begehrt das Kunsthistoriker-Herz? Am liebsten einen entspannten und doch anregenden Ausstellungsbesuch. Da ich vergangenen Monat von Karlsruhe nach Bonn umgezogen bin, gibt es hier in der Bundesstadt noch eine Menge zu entdecken. Gerade die Museumsmeile an der Konrad-Adenauer-Allee ist Pflicht für mich. Doch so neu in der Stadt und mit Mitbewohnern, die sich nicht so recht erwärmen können, mich zu begleiten, stehe ich vor der Wahl: Trau‘ ich mich und geh alleine oder verkrieche ich mich? Für einige ist das vielleicht gar keine Frage, aber ich merke doch, wie ich zu Beginn zögere. Alleine in Ausstellungen gehen. Dass ich das überhaupt nicht mehr gewohnt bin, merke ich erst jetzt. Und als ich da so am Samstagnachmittag mal wieder vor Netflix versacke, merke ich plötzlich: Worauf warten? Und spaziere einfach los. Orientiere mich kurz im gewaltigen Eingangsbereich des Kunstmuseums Bonn und genieße dann die Weitläufigkeit der Sammlung, während sich der Großteil der anderen BesucherInnen im Sonderausstellungsbereich rumdrückt. Ich begegne sogar alten Bekannten aus Karlsruhe wie Leni Hoffmann, Franz Ackermann und Corinne Wasmuht, die dort an der Akademie lehren. Und fühle mich gleich ein bisschen heimischer, wer hätte das gedacht? Zwar liebe ich es, wenn man sich in Begleitung direkt über Werke austauschen kann, aber jetzt merke ich, wie auch ich allein genug Denkanstöße von den Arbeiten bekomme.

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Franz Ackermann im Kunstmuseum Bonn

Nach Hause gehe ich bestimmt zwei Centimeter größer, weil ich wirklich stolz auf meinen kleinen Ausflug bin. Und merke mir für die Zukunft, dass es eindeutig viel zu Schade ist, sich diese Gelegenheiten entgehen zu lassen. Als nächstes ist auf jeden Fall die Bundeskunsthalle dran mit der Ausstellung zum Bauhaus und Pina Bausch. Dazu mein nächster geplanter Coup: auch mal alleine zu Ausstellungseröffnungen gehen, wenn niemand anderes Zeit hat und dort nur ein bisschen verkrampft das Weinglas halten. Denn eigentlich kann ja nichts passieren, wenn man sich selbst im wahrsten Sinne der Nächste ist: Wenn’s Scheiße ist, geh ich halt. Und muss noch nicht mal Tschüss sagen oder eine lahme Ausrede erfinden, wenn dann doch das Bett ruft.

Fotos: © Susi

 


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