Darf ich bitten: FEM Fatale

Montagabend, 19 Uhr in der Baumeisterstraße in Karlsruhe. Die drei Jungs vom Improtheater FEM Fatale treffen sich für ihr wöchentliche Probe. Ja genau, auch das Improvisieren muss geübt sein. Vor allem weil es dabei nicht einfach um spontanes Theaterspielen handelt, wie ich erfahren habe.

FEM Fatale sind drei Studenten aus Karlsruhe, welche sich durch eine Kochgruppe in whats app und einer gemeinsamen Theatervergangenheit zusammengetan haben, um die schöne Fächerstadt in Deutschlands Süden um eine junge, talentierte und dynamische Improvisationstheatergruppe zu bereichern. Und ich durfte gestern, ganz exklusiv, die Probe besuchen und ihnen ein paar Fragen stellen.

Fem Fatale

 

Wie seid ihr denn überhaupt zum Impro-Theaterspielen gekommen? Hattet ihr schon immer ein Faible für Spontanität oder musstet ihr das erst erlernen?



Ekrem: Man rutscht da eigentlich einfach rein. Wir sind nicht spontaner als andere Menschen, aber vielleicht haben wir mehr Spaß daran Geschichten zu erzählen und sie selbst zusammenzubauen.

Manuel: Das denke ich auch. Meistens ist es so, dass man durch das Zuschauen bei anderen Impro-Gruppen das Gefühl bekommt, so etwas auch mal ausprobieren zu wollen, vor allem da das Improvisieren doch ein deutlicher Gegensatz zum klassischen Theaterspielen ist.

Und wie darf man sich eure Aufführungen vorstellen? Wird wirklich alles improvisiert oder gebt ihr euch selbst oder das Publikum eine Rahmengeschichte vor?

Fabian: Wir überlegen uns vor Auftritten eine Art Rahmenprogramm und die Anmoderation. Der Rahmen wird dabei jedoch sehr frei gelegt, zum Beispiel sagen wir nur, dass wir drei Personen in einem Raum sind. Manchmal bitten wir das Publikum auch uns die Rahmenbedingungen zu nennen, wie beispielsweise eine gewisse Beziehung zwischen den Menschen, Berufe oder Aktionen die sie durchführen. Alles andere entsteht dann aus der Situation heraus und wird frei improvisiert.

Ekrem: Es ist natürlich auch eine Berufsehre, dass wir wirklich alles improvisieren. Wir wollen uns ja nicht selbst betrügen. Je mehr Freiraum wir beim Spielen haben, desto mehr können wir auch unsere Grenzen ausloten und auch überschreiten.

Das hört sich so an, als ob man durch das improvisierte Theaterspielen auch einiges für sich selbst als Mensch in der Realität lernen kann. Hilft euch euer Hobby denn im Alltag?

Manuel: Naja, man wird sich zum Beispiel seiner Körperhaltung viel bewusster, was natürlich für die eigene Selbstsicherheit erhebliche Vorteile bringt.

Fabian: Und man lernt vor allem gut zuzuhören und auch die Menschen besser zu verstehen. Das ist schon eine Art Berufskrankheit.

Ekrem: Es kann aber auch sein, dass man anfängt die Mimik und Gestik der Mitmenschen zu überanalysieren. Was an sich eigentlich auch nichts negatives ist. Aber man entwickelt eine gewisse Feinfühligkeit, die einem auch sehr dabei hilft, auf Menschen offener zuzugehen.

Werdet ihr auch manchmal von euch selbst und dem Gegenüber während einer Aufführung so sehr überrascht, dass ihr sprachlos dasteht?


alle einstimmig: JA!

Manuel: Wir fangen dann meistens an zu lachen. Irgendwie sind das auch die coolsten Momente, da man von den anderen teilweise schon bestimmte Schemata im Kopf hat und glaubt, man weiß wie die andere Person reagieren wird. Und dann in der Szene mit dem Gegenteil überrascht zu werden, oder mit einer Reaktion, an die man nicht mal im Traum gedacht hätte, das ist einfach das Beste.

Ekrem: Vor allem erinnert man sich an solche Momente am Meisten. Denn lustig sein wollen, klappt einfach nicht. So etwas muss passieren.

Fabian: Wichtig ist dabei auch, dass man weiß, dass man aus seiner Rolle auch mal herausfallen darf. Das ist doch menschlich und keiner nimmt es einem übel.


Manuel: Genau, die Outtakes dürfen sein.

In solchen Momenten merkt das Publikum bestimmt auch, dass alles wirklich aus der Situation heraus entsteht. Kommt es eigentlich auch vor, dass eure Zuschauer überhaupt keine Lust auf das haben, was ihr auf der Bühne erschafft?

Manuel: Immer wieder kommt es vor, dass die Besucher unserer Auftritte Angst haben, dass sie in das Stück mit einbezogen werden. Das müssen sie aber nicht. Wir werden niemals jemanden auf die Bühne holen und von ihm verlangen mitzuspielen.

Fabian: Das Publikum braucht von Anfang an das Gefühl, dass alles funktioniert. Aus diesem Grund ist unsere Anmoderation auch sehr wichtig, da wir somit die Rahmenbedingungen, teilweise eben auch mit dem Publikum zusammen, festlegen. Wenn sich die Zuschauer wohl fühlen, dann trauen sie sich vor allem auch etwas zu sagen. Das hat viel mit der eigenen Bühnenpräsenz und Selbstsicherheit zu tun.


Ekrem: Das Einbeziehen vom Publikum kann aber auch eine heikle Sache sein und den Abend ins abstruse führen. Es kommt immer wieder vor, dass es ein paar Spaßvögel in der Menge gibt, die meinen, dass sie besonders witzig sind und uns auf der Bühne leiden oder scheitern sehen wollen. Wir haben aber schon gelernt damit umzugehen und meistens gelingt es auch problemlos, die Menschen mit unseren Impro-Stücken zu hypnotisieren.

Ihr seid ja noch eine recht junge Improgruppe in Karlsruhe. Was wünscht ihr euch denn für die Zukunft vom FEM Fatale?

Ekrem: Wir wollen in der Impro-Szene, in Karlsruhe und auch in Deutschland allgemein, Fuß fassen und uns einen Namen machen. Vor allem wünsche ich mir, dass die Leute das Improvisationstheater nicht länger als seichte Unterhaltung sehen, sondern es genau so Ernst nehmen und als Teil der Kulturlandschaft sehen, wie die klassischen Theaterformate auch. Es wäre schön, wenn wir bei unseren Auftritten es schaffen, dass die Menschen für sich etwas aus unseren Stücken herausziehen können.

Manuel: Dabei wollen wir auf keinen Fall Meinungen vorgeben, sondern vielmehr einen Input liefern, sodass das Publikum selbst entscheiden kann, wer zum Beispiel der Gute oder der Böse war. Das macht auch der Reiz eines offenen Endes aus.

Und zu guter Letzt, was ratet ihr denn Impro-Neulingen und solchen, die es noch werden wollen?

Ekrem: Am Anfang muss man viel spielen. Einfach weil es einem Spaß macht und weil man sich dadurch am Besten kennenlernt. Der Spaß muss immer an erster Stelle stehen. Klar, wir wissen, dass es sich anfangs komisch anfühlen wird, aber der Mut und das Durchhaltevermögen lohnen sich.

Manuel: Und man darf sich natürlich auch gerne bei uns melden um mal eine Probe mitzumachen oder sie auch nur anzuschauen. Wer Interesse am Improtheater hat, der soll sich nicht scheuen, Kontakt mit Gruppen aufzunehmen. Da lässt sich vom Studenten bis hin zum Rentner für jeden das richtige finden.

 
Wer nun neugierig auf das Trio von FEM Fatale geworden ist, der sollte sich den kommenden Samstag, 23.07.2016 vormerken. Dort spielen sie nämlich auf englisch und mit Alex Fradera, einem bekannten Londoner Improvisateur, im P8, der Pennsilvaniastraße 8 in Karlsruhe. Der Eintritt beträgt je nach Vorverkauf, Abendkasse und Ermäßigung zwischen 5€ bis 8€.

Und für die ganz gefuchsten unter euch, verlosen wir auf unserer Facebook-Seite 2×2 Eintrittskarten für das Spektakel. Also schnell mitmachen, wer keine Karten für DAS FEST bekommen hat.
Auf Kultur muss an diesem Abend nicht verzichtet werden!

Fem Fatale spielt
Zum Schluss haben wir uns noch eine kleine Entweder…Oder – Runde erlaubt, um euch einen ersten Eindruck über die Jungs zu verschaffen.

1) Entweder im Wohnzimmer spielen oder im Wald?
Fabian: Wohnzimmer
Manuel und Ekrem: Wald

2) Entweder den Spießer spielen oder lieber den Punk raushängen lassen?
Fabian und Ekrem: Punk
Manuel: Spießer

3) Habt ihr lieber euch bekannte Gesichter oder Fremde im Publikum?
alle drei einstimmig: Fremde

4) Spielt ihr lieber einen Mann oder eine Frau?
alle drei wie aus der Pistole geschossen: einen Mann

5) Entweder Szenarien in der Zukunft spielen oder lieber in der Vergangenheit?
Fabian und Ekrem: Vergangenheit
Manuel: Zukunft

 

Bilder: Fem Fatale

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