Nichts wie Weg! – Aber auch für längere Zeit?

Schon als ich noch in Barcelona war, habe ich mir vorgenommen über die große Frage, ob ich mir vorstellen könnte, für längere Zeit im Ausland zu leben, zu schreiben. Grund dafür ist, dass mir diese Frage in letzter Zeit häufig gestellt wurde, nachdem ich die letzten 10 Monate in Spanien verbracht habe. Und die Tatsachen, dass es in unserer Welt immer globaler zugeht, dass uns in der Schule schon eingetrichtert wurde, wie unheimlich wichtig es ist, viele Sprachen zu beherrschen und dass man Dank des Internets immer weniger ortsgebunden ist, zeigen mir, dass man sich mit dieser Frage durchaus einmal auseinandersetzen sollte.

Jetzt ist es aber, wie schon angedeutet, so, dass ich die Auseinandersetzung mit dieser Frage seit einiger Zeit vor mir hergeschoben habe, und schon wieder weiß ich nicht weiter. Schließlich ist es auch sehr gemütlich, mit Mama und Papa in einer WG zu wohnen (viel cooler als damals mit 14) und für einige Wochen ein Kleinstadtleben zu führen, jeden Freitag mit dem Auto den Großeinkauf zu machen und am Wochenende all die Freunde zu sehen, die man in der Ferne vermisst hat. Vielleicht ist es auch zu hoch gegriffen, gleich mit der größten Frage zu starten.

Klären wir also Grundlegendes … Was ist mir, unabhängig vom Ort, eigentlich wichtig? Die Nähe zur Familie natürlich, und eine enge Beziehung zu meinen Freunden. Dann, etwas weniger emotional, ein großes Kulturangebot, viel Neues zum Entdecken und Auskundschaften. Nach drei Jahren in Karlsruhe hat mir in Barcelona außerdem das Fahrradfahren gefehlt. Dabei geht es vor allem um die Bequemlichkeit, alles was man braucht zu erreichen, ohne Stunden in schlecht belüfteten und überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln zu verbringen.

Nun ist es so, dass man mit Familie und guten Freunden auch in der Ferne in Kontakt bleiben kann, schließlich wäre ich nicht aus der Welt. Aber das „sich sehen“ über Skype und endlose Chat-Unterhaltungen können auch mal richtig frustrierend sein, da täte eine richtige Umarmung schon mal gut.

Dagegen fallen mir auch für’s Weggehen einige Gründe ein. So schön es auch ist, zuhause zu sein, in unserer kleinen Stadt fällt mir doch irgendwann die Decke auf den Kopf. Auch wenn es sicher irgendetwas für sich hat, kann ich die Menschen, die unsere kleine Stadt nie wirklich verlassen, nicht verstehen. Ich habe das große Bedürfnis, hier raus zu kommen um von der Welt etwas zu sehen (und das nicht nur im Urlaub auf irgendeiner Südseeinsel). Dazu scheint meine Studienzeit genau der richtige Moment zu sein.

Ob das für immer in Frage kommt, ist schwer zu beantworten. Natürlich ist es sehr verlockend, wieder nach Hause zu kommen. Würde ich später meinen Traumjob in der Nähe meiner Heimat finden, wäre ich ganz sicher nicht abgeneigt. Aber ich denke, dass ich mir alle Möglichkeiten offen halten möchte und auf keinen Fall für immer an einem Ort versumpfen möchte. Ob es dann an‘s andere Ende von Deutschland, zu unseren Europäischen Nachbarn oder nach Übersee geht, spielt dabei gerade keine Rolle. Ich nehm’s wie es kommt. Wenn es einem irgendwo nicht mehr gefällt, oder man einfach ein aufregenderes Ziel vor Augen hat, sollte man doch einfach gehen.

Ende September geht es jetzt erstmal zum Masterstudium nach Wien. Und zurückkommen kann man immer. Und das ist doch das eigentlich beruhigende, wenn man zwischen all dem Fernweh auch mal ein bisschen Heimweh verspürt.


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