Warum zur documenta 14?

 

„Mit zeitgenössischer Kunst kann ich nichts anfangen“, „Warum sollte ich mir die documenta ansehen, ich verstehe doch nichts von Kunst“ und „documenta, was?“ sind die häufigsten Anmerkungen, wenn ich Menschen frage, ob sie auf die diesjährige documenta 14 (kurz d14) nach Kassel (oder Athen) gehen. Wenn ich sowas höre, blutet mein kunsthistorisches Herz fatal, denn meiner Meinung nach gehört die Kunst allen Menschen und jeder Mensch kann diese verstehen. Bei der nicht wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Kunst geht es nicht um Techniken, Methoden und Herstellen von Bezügen, sondern lediglich um die subjektive Wirkung auf einen selbst und was die Processed with VSCO with hb2 presetKunst mit einem macht, oder auch nicht macht. Selbst wenn ich in eine Ausstellung gehe, entscheidet dieser genannte persönlicher Zugang zu einem Kunstwerk, ob ich länger
davorstehe oder es in mein Bildgedächtnis packe und weiterziehe. Der Mut zur Frage „Ist das Kunst und warum ist das Kunst?“ ist präsent, doch vielleicht muss man sich eher die Frage stellen „Wieso spricht mich etwas an bzw. nicht an?“. Diese Frage habe ich mir ganz offen bei meinem zweitägigen Besuch auf der Preview der d14 in Kassel gestellt. In diesen zwei Tagen ist es natürlich nicht möglich sich alle Werke in den verschiedenen Orten in Kassel anzusehen oder sich gar einzeln genau anzusehen und sich Fragen zu den Kunstwerken zu stellen. Dafür reicht die Zeit vorne und hinten nicht. Allerdings sind mir einige stark in Erinnerung geblieben, sodass ich die Beschäftigung mit diesen gesucht habe, auch noch nach meinem Besuch.

Szymczyck: „Wir streben an, die Menschen anders zu erreichen als der kleinbürgerliche Populismus, der den Menschen sagt, dass die zeitgenössische Kultur elitär und ‚schwierig’ sei.“ (MONOPOL 6/2017)

Doch ist die d14 nicht nur ein perfekter Ort sich der aktuellen zeitgenössischen Kunst zu nähern. (Hier gibt es schließlich kein wahr und falsch, da fast alle Kunstwerke noch nie ausführlicher behandelt wurden). Auch ist und war die documenta stets ein Ort, an dem aktuelle politische Themen diskutiert wurden. Processed with VSCO with hb2 preset„Von Athen lernen“ heißt der Untertitel der diesjährigen documenta. Dieses Jahr stehen die Themen Kolonialismus, Raubkunst, Flucht, Körper und Demokratie im Vordergrund. Letztere ist zum Beispiel auch ein Grund für die Parallelschau in Athen. Der künstlerische Leiter Adam Szymczyk sagte in einem Interview mit Daniel Völzke (MONOPOL 6/2017): „ […] aber die Documenta sollte doch an die gegenwärtige Zerbrechlichkeit von Demokratie erinnern. Demokratie ist nicht nur etwas, das bewahrt, sondern aktiv verteidigt und vor allem verändert werden muss. Das versuchen wir, indem wir auch andere Stimmen aus aller Welt hörbar machen […]. Demokratie ist nicht etwas, das einfach so funktioniert. Es ist ein Prozess, zu dem jeder beitragen muss.“

 

Wir sollen wieder erinnert werden, an unsere Individualität, unsere politischen Möglichkeiten und Pflichten und an andere Fehlstellungen der politischen Vergangenheit und Gegenwart. Die d14 will nicht lenken, sie will anregen nachzudenken und das ist meiner Meinung nach ein Privileg, welches man nutzen sollte.


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