#thelondonlook: Was Londoner Museen so besonders macht

Es gibt so viele Arten, diesen Blogpost über Londonder Museumssammlungen zu beginnen. Da wäre zum einen die Beschreibung, wie sich Museumsbesuche nach knapp fünf Jahren Kunstgeschichtestudium anfühlen: Was vorher Hobby und Interesse war, wird zur Obsession. Städtetrips werden nicht mehr nach Jahreszeiten, sondern nach Sonderausstellungen geplant. Für die Besichtigung von Denkmälern wie Kirchen oder die Schlossfassaden braucht man nicht mehr Minuten im Vorbeigehen sondern gerne Stunden. Aber um diese Wandlung soll es gar nicht gehen.

Das Museum als öffentlicher Raum ohne Eintrittspreise als Barriere

Auch bei Touris, die nicht so kunstverrückt sind, gehören Museen ja gerne trotzdem zum Programm, mindestens als Ausweichplan für einen Regentag. Wenn es sich in einer europäischen Metropole aber wohl besonders lohnt, bei einem Besuch wirklich so viele Museen unterzubringen wie möglich, dann ist das London. Der erste Vorteil liegt wohl klar auf der Hand: Es gibt wahnsinnig viel Auswahl und wirklich jeder wird etwas finden, das sein Interesse weckt! Ob naturkundlich im Natural History Museum oder zeitgenössisch in der Tate Modern. Die Museen in staatlicher Hand gewähren in die Dauerausstellung  freien Eintritt und das allein freut vielleicht die Sparfüchse unter uns, aber daraus entwickelt sich tatsächlich eine Dynamik, die ich als unvergleichbar empfunden habe.

Was mich an den Londonern Museen so beeindruckt hat war wie sich der museale Raum durch die Besucher sämtlicher Bevölkerungsgruppen und -schichten transformiert und lebendig wird. Die Stadt mit all ihren Gesichtern kommt zusammen und lernt neue Dinge dazu (im besten Fall, aber auch kein Muss). Wo sich deutsche Institutionen den Kopf zerbrechen, wie sie durch Social Media-Strategien und Kniffe neue Zielgruppen erschließen und alte bei der Stange halten, funktioniert in London vieles scheinbar von selbst. Nun mag es Stimmen geben, die es nicht gutheißen, dass Museen als Treffpunkte in der Stadt wahrgenommen werden und es dort auch mal lauter zugehen darf. Aber ich finde, dass so öffentliches Leben eher einfach konsequent weitergeführt wird. Pathetisch gesagt holt sich so die Bevölkerung doch nur ihren Platz im öffentlichen Raum zurück und das sollte sie auch tun!

Mag dahingestellt sein, ob die Museen in der Weltmetropole nicht auch ohne Eintritt voll mit Kulturinteressierten oder solchen, die ein paar Dinge von ihrer „Muss man mal gesehen haben“-Liste streichen wollen. Aber für dieses Museumserlebnis kann man in die Uffizien oder den Louvre gehen – und mein Fazit ist, dass das Klima in London auf jeden Fall anders ist. So oder so daher meine wärmste Empfehlung: Geht hin, testet es aus. Koschd ja nix.

Wo anfangen? Ein Tipp zur Inspiration für den nächsten Trip

„Abhaken“ konnte ich das Victoria & Albert Museum, The Wallace Collection, Tate Modern, Tate Britain  & The National Gallery. Diese Museen von Weltrang sind echte Schwergewichte und bedürfen wohl keiner weiteren Ausführung. Daher möchte ich euch lieber noch eine kleinere Sammlung ans Herz legen, für die ihr dennoch mindestens einen halben Tag einplanen solltet:

Kenwood House

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Kenwood House Gartenseite

Um Kenwood House zu besichtigen, geht es in den Norden von London. Es ist ein wenig hügelig, je näher man dem Ziel kommt wird der Verkehr weniger, die Häuser größer und stattlicher. Umgeben von einer großzügigen Parkanlage liegt das Herrenhaus etwas versteckt. Am meisten Aufsehen erregt hier ein Selbstportrait von Rembrandt und die Gitarrenspielerin von Jan Vermeer als Teil der Sammlung. Doch vor allem die Architektur von Robert Adam und die Innenausstattung in Pastellfarben runden einen Ausflug dorthin ab. Trivial aber wahr: Es ist so verdammt hübsch und fotogen dort.

Der große englische Garten, der sich hinter dem Haus erstreckt, sollte bei gutem Wetter auf jeden Fall ausgenutzt werden. Egal ob auf einer Parkbank, den hügeligen Rasenflächen oder einem Spaziergang durch das geschickt angelegte und abwechslungsreiche Wäldchen. Nach ein paar Tagen London hat diese Anlage „Naherholung“ auf ein ganz neues Level gebracht und völlig ungeplant saßen wir hier viel länger, als wir je gedacht hätten. Diese Erfahrung solltet ihr unbedingt mitnehmen (minus den Sonnenbrand, den ich mir unverhofft eingehandelt habe).

Anfahrt: Am besten ihr fahrt mit der Tube die Northern Line bis Archway oder Golders Green Station. Dann mit dem Bus 210 weiter bis zur Haltestelle Kenwood House (bei der Fahrt natürlich oben sitzen um die reiche Gegend von Hampstead Heath noch besser bewundern zu können). Vom Stadtzentrum muss man so ca. 1 Stunde Fahrtzeit einplanen. Das wird es wert sein!

 

 


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